Sonntag,
29. Oktober 2006
Nach
dem Frühstück
ging es los gen Osten. Nach fast einem Jahr Pause kam ich endlich wieder einmal
in die Tschechei. In Prag, wo die heutige Fahrt endete, war ich sogar noch viel
länger
nicht. Die Fahrt dorthin war nichts besonderes, die Strecke über
Nürnberg
und Pilsen kenne ich ja. Allerdings ist die autobahnfreie Strecke etwas kleiner
geworden, so dass man insgesamt etwas schneller voran kommt.
Dennoch
wurde Prag erst nachmittags erreicht. Somit reichte das Tageslicht nur noch für
eine kleinere Fotosession rund um die Karlsbrücke.
Danach suchten wir uns ein Hotel und aßen
in der zum Haus gehörenden
Pizzeria. Mit einigen Empfangsversuchen mit dem Degen DE1103, den ich
mitgenommen hatte, ging der Tag zu Ende.
Montag,
30. Oktober 2006
Erste
Zwischenstation war heute am späten
Vormittag Brünn.
Hier war ich vor einigen Jahren schon einmal. Heute war ich wirklich erstaunt
darüber,
wie viel sich in der Stadt seitdem getan hat. Viele Häuser
waren saniert, während
sie vor ein paar Jahren noch so aussahen, als sei seit dem Krieg nichts daran
gemacht worden.
Nach
einer Kaffee- und Eis-Pause fuhren wir zur tschechisch-slowkakischen Grenze, wo
ich ausgiebig fotografierte. Dann ging es weiter nach Pressburg. Recht schnell
fand ich in der Innenstadt das Funkhaus des Slowakischen Rundfunks. Dort war ich
zwar vorher noch nie, aber Statdtplan und der Kompass des Navigationssystems,
das hier ansonsten nicht funktioniert, halfen gut weiter.
Wir
wurden von Jana Hrebevoka und Marika Adamovska vom deutschsprachigen Programm
von Radio Slowakei International bereits erwartet. Ich gestalte seit einigen
Jahren das DX-Programm von RSI. Marika war im Frühjahr/Sommer
einige Monate in Berlin. Daher kannten wir uns bereits persönlich.
Wir tranken zusammen Kaffee, danach organisierten Jana und Marika noch Zimmer in
der Pension, die sich direkt neben dem Rundfunkgebäude
befindet.
Für
eine Fotosession war es eigentlich schon zu spät.
Die Sonne stand schon sehr tief, als wir zu Fuß
Richtung Innenstadt aufbrachen. Dennoch machte ich noch einige schöne
Fotos. Nach dem Abendessen ging der Tag zu Ende. Viel DXen konnte ich heute
nicht, mein Zimmer liegt im Souterrain, so dass die Empfangsverhältnisse
eher schlecht sind. Also genoss ich das Programm von Radio Expres, das ich auch
zu Hause oft über
Satellit und Internet höre.
Dienstag,
31. Oktober 2006
Nach
dem Frühstück
ging ich hinüber
ins Rundfunkgebäude.
Jana erwartete mich bereits und zeigte mir die Räumlichkeiten
der deutschen Redaktion. Danach machte ich mich etwas nützlich
und redigierte Nachrichten und Tagesthema und ich half bei der Hörerpost-Beantwortung.
Später
stieß
Marika zu uns. Nachmittags gingen wir ins Studio und zeichneten das Programm für
heute auf.
Danach
verabschiedete ich mich von meinen beiden Kolleginnen. Mit dem Auto fuhren wir
dann nach nach Nitra. Das hat sich allerdings nicht gelohnt. Zum einen dämmerte
es schon, zum anderen besteht die Stadt offenbar nur aus Plattenbauten, wie man
sie aus Osteuropa kennt. Also fuhren wir direkt wieder nach Pressburg und gingen
noch essen. Dann war der Tag zu Ende.
Mittwoch,
1. November 2006
Heute
ging es über
die nahgelegene Grenze nach Ungarn weiter. Wegen einer Umleitung kamen wir zunächst
nicht auf die Autobahn und auch nicht zu einer Verkaufsstelle für
Autobahn-Vignetten. Das war wiederum weniger ideal, denn so fuhren wir später
noch längere
Zeit auch auf der Autobahn ohne Vignette. Erst an einer Tankstelle hinter Györ
konnten wir eine bekommen.
Zum
Mittagessen waren wir mit Thomas Lörinczy
und seiner Freundin verabredet. Die beiden wohnen in Szolnok, so dass es für
uns kein großer
Umweg war. Den ursprünglichen
Plan, danach weiter Richtung Süden
nach Szeged zu fahren, gaben wir auf, zumal wir dort auf dem Rückweg
ohnehin vorbeikommen. Stattdessen fuhren wir weiter nach Osten und übernachten
in Hajduszoboszlo. Inzwischen ist es kalt und regnerisch. Aus dem herrlichen Spätherbst-Wetter,
das wir noch in Prag und Pressburg hatten, ist fast schon Winter geworden.
Donnerstag,
2. November 2006
Beim
Frühstück
hielten wir uns eigentlich viel zu lange mit Telefonaten in die Heimat auf. So
kamen wir später
als geplant los. Da der direkte Weg zur rumänischen
Grenze nicht ausgeschildert und damit auch nicht zu finden war, machten wir
zudem einen Umweg über
Debrecen. Vormittags passierten wir die rumänische
Grenze und kamen somit in einem für
mich neuen Land an.
Direkt
nach der Grenze kam ich mir vor, als ob ich vom Westen in den Osten oder von
Victoria Falls nach Livingstone fahre. Die Straßen
sind auch in Rumänien
besser als ihr Ruf, aber eben doch deutlich schlechter als in Ungarn. Die Häuser
machen einen zum Teil doch sehr heruntergekommenen Eindruck. Direkt
hinter der Grenze gab es dann auch gleich den ersten Betrugsversuch. Man wollte
mir die Rovignetta nur gegen harte Euro verkaufen. Ich sagte "nein
danke" und fuhr erstmal ohne.
Der
Versuch, die Vignette an Tankstellen in Großwardein,
der ersten Stadt hinter der Grenze, zu bekommen, schlug fehl. In Beius klappte
es dann auf dem Postamt. Danach ging es weiter über
Brad, Diemrich und Mühlbach
nach Hermannstadt. Die Fahrt durch die Karparten war landschaftlich sehr
reizvoll. Allerdings lag das Durchschnittstempo bedingt durch zahlreiche LKWs,
die man auf den Bergstraßen
kaum überholen
konnte, wohl bei unter 50 km/h. So dämmerte
es bereits, als wir in Hermannstadt ankamen.
Die
Hotelsuche gestaltete sich zunächst
schwierig, da fast alles bereits ausgebucht war. Im Hotel Parc wurden wir fündig
und checkten gleich für
zwei Nächte
ein. Den Plan, bereits morgen ans Schwarze Meer weiter zu fahren, gaben wir auf.
Grund: Um
noch etwas von Hermannstadt zu sehen ist es zu spät,
so dass wir uns morgen die Stadt vornehmen.
Freitag,
3. November 2006
Heute
machten wir ausgiebige Stadtbummel in Hermannstadt. Zwischendurch fuhren wir
immer wieder zurück
ins Hotel, um uns aufzuwärmen.
Es hat über
Nacht geschneit und ist jetzt richtig kalt. Mit diesem Wetter hatten wir nicht
gerechnet, aber wir machten das beste daraus.
Vor
allem die historische Altstadt von Hermannstadt ist sehr sehenswert, während
die typisch osteuropäischen
Plattenbauten am Stadtrand eher abschreckend wirken. Der Stadtkern entschädigt
aber sehr, auch wenn er gerade einer Baustelle gleicht. Hermannstadt bereitet
sich gerade darauf vor, im kommenden Jahr europäische
Kulturhauptstadt zu werden.
Samstag,
4. November 2006
Der
Abschied von Hermannstadt fiel durchaus schwer und die Weiterreise war nach dem
Schneefall durchaus von gemischen Gefühlen
begleitet. Wie gut mag der rumänische
Winterdienst sein? Wird
es ohne Winterreifen vielleicht eher eine Rutschpartie?
Wir
fuhren weiter nach Südosten
über
Ramnicu Valcea und Pitesti nach Bukarest. Es schneite nicht weiter und hier
schien nun auch wieder die Sonne. Schon mittags waren wir in Bukarest, so dass
ich den Plan, dort zu übernachten,
aufgab. Den Plan, zum Schwarzen Meer zu fahren, konnten wir aber nicht mehr
realisieren. Dafür
reicht die Zeit nicht mehr. Also fuhren wir von Bukarest weiter nach Süden,
wo wir zwischen Giurgiu und Russe die Donau und somit die rumänisch-bulgarische
Grenze überquerten.
Dieser
Grenzübertritt
wird mir wohl dank korrupter Beamter auf der rumänischen
Seite, die eine Steuer nach der anderen erfanden, in ständiger
Erinnerung bleiben. Nachdem wir kräftig
abgezockt wurden, konnten wir endlich die Donau überqueren.
Ich war froh, in Bulgarien zu sein. Dieses Land
kannte ich bereits von einem Tagesausflug nach Burgas. Sorgen machte mir
lediglich die hier genutzte kyrillische Schrift, der ich nicht mächtig
bin.
Dennoch
war es kein Problem, in Russe ein Hotel zu finden. Dieses warb sogar mit einem
kostenlosen WLAN-Internet-Zugang. Der funktionierte aber nicht, so dass ich dann
doch mit der italienischen Wind-Prepaidkarte online gehen musste. Na ja, dafür
habe ich sie ja - wenn auch zum letzten Mal. Schon in Prag erfuhr ich nämlich,
dass Wind seinen günstigen
Roaming-Datentarif einstellt.
Sonntag,
5. November 2006
Nach
dem Frühstück
ging es weiter nach Süden
über
Bjala und Pleven nach Sofia, wo wir bereits von guten Freunden erwartet wurden.
Wir kamen gegen 14 Uhr an und gingen erst einmal etwas essen. Danach
unterhielten wir uns noch etwas und ließen
den Tag bereits langsam ausklingen. Für
die Stadt ist morgen noch genügend
Zeit, so dass etwas Ruhe nicht schadet.
Montag,
6. November 2006
Nach
einer Stadtrundfahrt und einem Besuch bei Tangra Mega Rock, einem sehr
professionellen Internet-Radio, das mich auch gleich für
ein Interview ans Mikrofon hole, vertraten wir uns noch etwas in der Innenstadt
die Beine. Abend aßen
wir noch mit allen zusammen. Wir wollten aber nicht zu spät
schlafen gehen, denn morgen steht die Rückreise
durch Serbien nach Ungarn auf dem Programm.
Dienstag,
7. November 2006
Nachdem
die Straßen
von Russe nach Sofia fast deutschen Standard erreichten, ist der Weg von Sofia
zur serbischen Grenze deutlich schlechter. Hier ist die Teerstraße
zum Teil massiv mit Schlaglöchern
durchsetzt. Dafür
ging es an der Grenze deutlich schneller und reibungsloser als erwartet.
Auf
der serbischen Seite war dann auch die Straße
wieder besser. Auch damit hätte
ich nicht gerechnet. Die Freude währte
allerdings nicht lange. Wegen Sprengarbeiten gab es eine Umleitung, die zum Teil
über
nicht befestigte Feldwege führte.
Das kostete richtig viel Zeit. Mehr als Tempo 20 war größtenteils
nicht drin, zumal selbst LKWs diese Pseudo-Straße
fahren mussten.
Dafür
war die Autobahn dann in einem sehr guten Zustand. Besser ist es in Deutschland
auch nicht, wobei man hier den Vorteil hat, dass es weniger Vekehr gibt und man
somit wesentlich besser vorankommt als in Deutschland. Gegen Mittag hielten wir
an einer sehr sauberen Ratstätte
und aßen
Cevapcici. Ich hatte großen
Hunger und nahm die große
Portion. Danach ging es weiter, an Belgrad vorbei bis zur ungarischen Grenze.
Als
wir die Grenze erreichten, war es bereits dunkel. An der Grenze selbst gab es
keinerlei Probleme, dafür
hatte ich ein immer komischeres Gefühl
im Magen. Ich war froh, als wir Szeged erreicht und ein Hotel im Stadtzentrum
gefunden hatten. Ich stürzte
mich auf dem Zimmer sofort aufs Klo... und war froh, erstmal erleichtert zu
sein.
Also
ging ich noch mit ins Hotel-Restaurant. Essen konnte ich aber nichts.
Stattdessen wurde es mir nach kurzer Zeit wieder schlecht und ich ging nach oben
ins Zimmer... und dort direkt aufs Klo, wo ich dann auch den Großteil
der Nacht verbracht habe.
Mittwoch,
8. November 2006
Den
Plan, nach dem Frühstück
noch in Szeged zu fotografieren, gab ich auf: Zwar ging es mir besser, aber es
war sicherer, wenn ich sitze. So bestand nicht die Gefahr, dass ich unmittelbar
ein Klo brauche... Vor der Weiterfahrt haben wir dann nur noch Medikamente
besorgt, dann ging es über
Budapest zur österreichischen
Grenze. Zwar brauchte ich hin und wieder ein Klo, aber ansonsten ging alles
glatt und wir waren mittags kurz vor Wien.
Wir
fuhren nach einer Rast dann weiter über
Linz Richtung Passau. In Bad Schallerbach suchten wir uns ein Hotel für
die letzte Nacht des Urlaubs. Ich konnte sogar etwas Palatschinken essen und
meinem Magen ging es etwas besser.
Donnerstag,
9. November 2006
Über
Passau, Regensburg und Nürnberg
ging es zurück
nach Hause. Trotz des in Deutschland sehr hohen Verkehrsaufkommens kamen wir gut
vorwärts.
Am frühen
Nachmittag war Bieber erreicht und die "Tour de Osteuropa" war zu
Ende.